Die Faszination Tauchen ist stets mit einem gewissen Risiko verbunden. Selbst erfahrene Taucher, die diesem Sport bereits seit Jahrzehnten in ihrer Freizeit oder beruflich nachgehen und unzählige Tauchgänge im Logbuch aufgezeichnet haben, können jederzeit Opfer eines Tauchunfalls werden. Tritt ein Notfall unter Wasser ein, sind einerseits die Tauchpartner, andererseits auch die alarmierten Rettungskräfte, mit einer anspruchsvollen Ausnahmesituation konfrontiert. Und in dieser zählt wahrlich jede Sekunde: nach dem Notaufstieg und der Rettung des verunglückten Tauchers müssen umgehend umfangreiche Maßnahmen getroffen werden, um das Leben des Verunglückten zu retten.

Doch bei vielen Einsätzen dieser Art erschweren Witterungs- und Umgebungsbedingungen wie Nässe, Wind, Temperatur und unwegsames Gelände die Rettungsarbeiten, wodurch die Anforderungen an Personal und Medizintechnik bei solchen Notfällen besonders hoch sind. Auf diese Faktoren legen wir bei der Entwicklung unserer Produkte ein besonderes Augenmerk. Im Dialog mit den Anwendern (u.a. Rettungsdienstpersonal, Ärzte, Druckkammerzentren) werden deren Wünsche und Ideen in den Entwicklungsprozess aufgenommen, wodurch beispielsweise alle Geräte einen hohen Schutz gegen Staub und Wasser aufweisen und somit für den Outdoor-Einsatz bestens geeignet sind.

Im Folgenden wird anhand eines Fallbeispiels die erfolgreiche Rettung eines verunglückten Tauchers beschrieben. Unfälle dieser Art tragen sich nicht nur in Deutschland mehrmals im Jahr zu.

Steilwand mit hohem Unfallrisiko

An einem bewölkten Samstagmorgen im Frühsommer machen sich zwei erfahrene Taucher (63 und 48 Jahre alt) auf, um eine Steilwand in einem bayerischen See zu erkunden. Diese bricht abrupt ab  und reicht dann ca. 90 Meter in die Tiefe. In den vergangenen Jahren haben sich dort über 50 Tauchunfälle ereignet, davon 18 mit tödlichem Ausgang. Im Jahr 2008 wurden die Voraussetzungen für Tauchausflüge aufgrund der hohen Unfallzahlen stark verschärft: die maximale Tauchtiefe mit Pressluft wurde auf 40 Meter beschränkt, ab 20 Metern wird eine komplett kaltwassertaugliche Ausrüstung vorgeschrieben (inklusive zwei getrennt absperrbarer Atemregler) und im Winter herrscht ein generelles Tauchverbot.

Notaufstieg aus 13 Metern  Tiefe

09:04 Uhr Nach dem gründlichen Check der Ausrüstung beginnt der Tauchgang. Nach rund einer halben Stunde unter Wasser, signalisiert der 63jährige seinem Buddy in circa 13 Metern Tiefe plötzlich, dass er Probleme mit der Luftzufuhr hat und droht kurz darauf abzusinken. Sein Kollege hält ihn am Jacket fest und beginnt sofort mit dem Notaufstieg. Als die beiden die Wasseroberfläche erreichen, verliert der verunfallte Taucher das Bewusstsein. Passanten werden auf den Notfall aufmerksam und alarmieren Mitglieder der nahegelegenen Wasserrettungsstation, die gerade ihren Dienst beginnen wollen.

Atemspende bereits im Wasser

09:36 Uhr Bis zum Eintreffen des Rettungsbootes versucht der jüngere der beiden Sporttaucher seinen Freund mit dem Gesicht über Wasser zu halten und beatmet ihn bereits einige Male. Währenddessen löst die Rettungsleitstelle den Großalarm aus (Örtliche Feuerwehr, First Responder-Einheit, zwei Rettungswagen, zwei Hubschrauber mit Notarzt, Einsatzleitung Rettungsdienst samt Einsatzleitwagen, weitere  Wasserrettungseinheiten und Polizei). Beide Taucher werden umgehend mit dem Rettungsboot an Land verbracht. Die unmittelbar eingeleitete Reanimation wird dort fortgeführt. Über ein spezielles Beatmungsventil (Demandventil) erreicht die künstliche Maskenbeatmung eine sehr hohe Sauerstoffsättigung von nahezu 100%, was insbesonders bei Tauch- und Ertrinkungsunfällen eine wichtige Rolle spielt. So können sich die im Blut gebildeten Stickstoffblasen nicht vergrößern und zugleich werden die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff versorgt.

Erste Defibrillation sehr frühzeitig

09:44 Uhr Die erste wichtige Defibrillation erhält der verunglückte Taucher rund acht Minuten nach der Rettung aus dem Wasser durch den Defibrillator corpuls1 des mittlerweile eingetroffenen First Responders. Hierbei handelt es sich um eine ehrenamtliche Institution, deren Mitglieder bei Notfällen vor Ort qualifizierte Erste Hilfe leisten und die Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.

09:47 Uhr Der zweite Taucher ist ansprechbar, hat aber einen instabilen Kreislauf und klagt über die typischen Symptome nach einem Notaufstieg. Er wird in der Wasserrettungsstation ebenfalls mit Sauerstoff versorgt und psychisch betreut. Mittlerweile ist der erste Notarzt bei der Reanimation eingetroffen und beginnt mit der Medikation und weiteren Maßnahmen, während sein Fahrer das Reanimationsgerät corpuls cpr anlegt.

Eine frühe Wiederbelebung ist entscheidend

Durch die Herzdruckmassage eines reanimationspflichtigen Patienten wird die fehlende Pumpleistung des Herzens mechanisch von außen ersetzt. So bleibt ein minimaler Blutkreislauf vorhanden und der Sauerstoff im Blut erreicht die lebenswichtigen Organe. Durch die Mund- zu-Mund bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung wird das Blut erneut mit Sauerstoff angereichert – wenn auch mit einer wesentlich geringeren Konzentration, da es sich um die Ausatemluft des Helfers handelt. Bei der Defibrillation hingegen wird versucht, das außer Kontrolle geratene Reizbildungssystem des Herzens, das normalerweise für das Zusammenziehen des Herzmuskels und damit für die Pumpfunktion verantwortlich ist, durch einen gezielten Stromstoß wieder in einen geregelten Rhythmus zu bringen. Bleiben diese Maßnahmen aus, sinkt die Überlebenschance des Patienten pro Minute um circa 10 Prozent.

Die Herzdruckmassage mit einer Drucktiefe von circa fünf bis maximal sechs Zentimetern (laut ERC) bei einer  idealen Frequenz von rund 100 bis  120 Kompressionen pro Minute, lässt nach einigen Minuten auch den trainiertesten Ersthelfer ermüden. In der Folge nehmen Drucktiefe und -frequenz ab und die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) verliert stark an Effizienz. Mit dem neuen, maschinellen Reanimationsgerät corpuls cpr wird eine gleichbleibende Druckmassage und somit ein konstanter Blutfluss gewährleistet. Dank seiner Gelenke und der Höhenverstellbarkeit können beispielsweise auch korpulentere Patienten therapiert werden. Zudem weist das Gerät – je nach eingestelltem Reanimationsmodus – den Anwender automatisch auf eine anstehende Beatmungspause hin.

Bei jeder manuellen Reanimation gibt es Momente, in denen die Herzdruckmassage unterbrochen werden muss. Hierzu zählt beispielsweise das Umlagern des Patienten auf die Fahrtrage, bei unwegsamem Gelände der Transport zum Rettungswagen und aus Sicherheitsgründen auch die Fahrt ins Krankenhaus. Einmal angelegt, setzt das corpuls cpr auch in diesen Situationen die
Herzdruckmassage konstant fort, was die Effektivität der Reanimation stark erhöht.

Mit dem Hubschrauber in die Unfallklinik mit integrierter Druckkammer

Mittlerweile sind  auch  die beiden Rettungswagen und die alarmierten Hubschrauber eingetroffen. Der mittelschwer verletzte jüngere Tauchpartner wird von den Notfallsanitätern untersucht, stabilisiert und anschließend in eine nahegelegene Unfallklinik mit hausinterner HBO-Kammer geflogen. Er zeigt typische Symptome für einen Tauchunfall wie starkes Hautjucken, Bewusstseinsstörungen und Atemnot.

Der reanimationspflichtige Taucher wird währenddessen samt corpuls cpr auf der Fahrtrage zum Rettungswagen (RTW) verbracht und bereits von einem corpuls3 Patientenmonitor mit integriertem Defibrillator überwacht. Durch seine modulare Bauweise lässt sich dieses Gerät in drei Komponenten teilen, die drahtlos untereinander kommunizieren.  Das Monitormodul zeigt die Messwerte (wie beispielsweise Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz) und EKG-Kurven an und ist zugleich Bedienschnittstelle des Systems. Die Patientenbox verbleibt direkt beim
Patienten, sammelt die EKG-Daten und Messwerte der verschiedenen Sensoren und übermittelt diese live an den Monitor. Das Defibrillator-/Schrittmachermodul  kann mit klassischen „Paddles“ oder Klebeelektroden genutzt werden. So kann beispielsweise bei nassem Untergrund der lebensrettende Schock auch aus sicherer Entfernung ausgelöst werden. Zudem hat der Notarzt die Werte und EKG-Kurven des Patienten jederzeit im Blick und kann auf etwaige Veränderungen schnell reagieren.

Nach weiteren 20 Minuten unter laufender Reanimation mit mehreren Defibrillationen im stehenden Rettungswagen, gelingt es den Notfallmedizinern das Herz des Mannes wieder zum Schlagen zu bringen. Als sein Kreislauf hinreichend stabilisiert ist, wird der verunglückte Taucher in den Hubschrauber umgeladen und ebenfalls in die Unfallklinik geflogen.
Dort warten die informierten Fachärzte bereits im vorbereiteten Schockraum. Sie versetzen den Patienten in ein künstliches Koma und stabilisieren seinen Zustand weiter. Das Reanimationsgerät corpuls cpr samt Board ist größtenteils röntgentransparent und kann somit beispielsweise auch während eines Eingriffes im Herzkatheterlabor problemlos eingesetzt werden ohne die Angiografie (Abbildung der Herzgefäße) zu beeinflussen. Nach der Versorgung im Schockraum wird der verunglückte Taucher direkt in die HBO-Kammer gebracht.

Mehrere Tauchgänge in der HBO-Kammer

Durch den Notaufstieg konnte die Dekompressionszeit, die nötig ist, damit sich im Gewebe gesammelter Stickstoff lösen kann, nicht eingehalten werden. Bei einer HBO-Therapie werden durch Erhöhung des Umgebungsdrucks in der Kammer (in der Regel bis zu 300kPa) Tauchgänge simuliert. Die Beatmung erfolgt mit reinem Sauerstoff, welcher unter diesen Bedingungen maximal im Blut gelöst wird, sodass dem Gewebe ein erhöhtes Sauerstoffangebot zur Verfügung steht und die Stickstoffbläschen kleiner werden beziehungsweise abgeatmet werden können. Vor dem Start der Druckkammerfahrt werden dem komatösen Patienten beide Trommelfelle perforiert, da er aufgrund der Bewusstlosigkeit nicht in der Lage ist, selbständig einen Druckausgleich vorzunehmen. Die kleinen Löcher wachsen nach wenigen Tagen von selbst wieder zu.

Der verunglückte Taucher wird dann nach der standardisierten US Navy Tabelle 6 (USN TT6) behandelt: nach dem relativ schnellen Abstieg auf 18 Meter (1,8 bar Überdruck), folgen mehrere Sauerstoff- und Luftatmungsphasen im Wechsel. Nach circa 95 Minuten erfolgen dann der „Aufstieg“ auf 9 Meter und weitere Atmungsphasen mit und ohne erhöhten Sauerstoffanteil im Gasgemisch.

Während der gesamten HBO-Behandlung wird der verunglückte Taucher von einem corpuls3 hyperbaric überwacht. Diese Gerätevariante wurde speziell für den Einsatz in Druckkammern modi- fiziert, wodurch auch bei veränderten Druckverhältnissen verlässliche Werte gemessen und im Ernstfall sichere Defibrillationen durchgeführt werden können. Die Anwendung des corpuls3 hyperbaric wurde von DNV GL SE für einen Umgebungsdruck von bis zu 3 bar zertifiziert.

Der verunfallte Taucher lag noch fünf weitere Tage auf der Intensivstation der Unfallklinik. Nach vier weiteren Behandlungen in der HBO-Kammer, waren die Symptome vollständig verschwunden und der 63jährige konnte aus dem Koma geholt werden. Durch das schnelle und besonnene Handeln seines „Buddys“, die kompetente Erstversorgung, den gezielten Einsatz zuverlässiger und robuster Medizintechnik und die frühe HBO-Therapie, konnten sein Leben gerettet und bleibende Schäden vermieden werden.

 

 

Der Autor Stefan Gerum arbeitet als Marketingmanager bei der Firma GS corpuls. In seiner Freizeit leistet er als First Responder bei Notfällen qualifizierte Erste Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und ist seit über 12 Jahren bei der Wasserwacht tätig.
Er ist als Wasserretter und Bootsführer auf dem Wasser unterwegs, jedoch kein Taucher.

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