Sie kommen, um zu helfen und werden selbst zum Opfer: Bespuckt, beschimpft, bedroht. Ein Szenario, das in den vergangenen Monaten für Einsatzkräfte immer häufiger bittere Realität wurde. Für manche blieb es nicht bei der verbalen Attacke, sie wurden sogar Opfer körperlicher Gewalt. Jetzt will der Bund härter gegen die Angreifer auf Einsatzkräfte vorgehen.

Die meisten von uns haben im Dienst schon einmal die Hand eines Patienten zu spüren bekommen: der renitente Heimbewohner, der sich plötzlich mit aller Kraft verteidigt, da er die Situation eines Krankentransports mehr als Entführung denn als Hilfeleistung versteht. Der Demente, der bei der Morgentoilette scheinbar grundlos die Pflegekraft attackiert. Der Arzt, der eine notwendige Blutuntersuchung vornehmen will und beim Stich in die Vene fast reflektorisch von seinem Patienten geohrfeigt wird… Für medizinisches Personal in Heimen und Krankenhäusern gehört das zum Alltag. Eine Meldung? Doch nur Papierkram. Die Schmerzgrenze sitzt hoch.

Wenn Helfer zwischen die Fronten geraten

Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei blicken ganz anderen Bedrohungen ins Auge. Es ist der häusliche Streit, der plötzlich vor den Augen der Retter eskaliert. Eine aufgebrachte Menschenmenge, die ihre Aggressionen plötzlich gegen Polizeibeamte richten oder der Intox-Patient, der in der Notaufnahme randaliert.

Die Zahl der Übergriffe auf Helfer ist in den letzten fünf Jahren im Bundesdurchschnitt um mehr als 70 Prozent gestiegen. Eine Statistik des Landeskriminalamts von Nordrhein-Westfalen belegt dies exemplarisch mit 158 Angriffen auf Feuerwehrleute und weiteren 140 Attacken auf andere Rettungskräfte.

Bundesregierung sieht Handlungsbedarf

Im Rahmen der Innenministerkonferenz in Saarbrücken im November 2016 kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bereits an, künftig härter gegen Gewalttäter vorgehen zu wollen. Es gäbe eine „bisher nicht gekannte Dimension von Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte“, so de Maizière. Die Bundesregierung wolle nun den strafrechtlichen Schutz dieser Menschen verbessern, die ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren, um den Rechtsstaat zu verteidigen und anderen zu helfen, erklärte der Minister zitiert.

Sein Amtskollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, untermauerte diese Absichten mit konkreten Plänen: Ziel sei eine Verschärfung des Strafrechts, für das er in der kommenden Woche einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen werde.

„Wir werden tätliche Angriffe gegen Polizisten und Rettungskräfte in Zukunft härter sanktionieren. In besonders schweren Fällen soll es eine Mindeststrafe von sechs Monaten geben.“
BJM Heiko Maas

 

Mit einem deutlichen Appell stellten sich die Bundesinnenminister hinter – und somit eigentlich auch schützend vor – die Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. „Für Ihren täglichen Einsatz haben die Rettungskräfte unsere Wertschätzung und unsere Unterstützung verdient. Es ist höchste Zeit, sie wirkungsvoller zu schützen“, sagte Maas.

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