Stellen Sie sich vor, Sie werden im Dienst krank. Oder ist Ihnen das vielleicht sogar schon passiert? Dann wissen Sie, dass eine Rettungswache oder die Klinik keine gewöhnlichen Orte für einen innerbetrieblichen Notfall sind. Das hat auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) längst verstanden und in der neuen DGUV-Vorschrift 1 nun offiziell geregelt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitsplätzen sitzen Sie auf der Feuer- oder Rettungswache, in der Klinik und der Arztpraxis im Krankheitsfall oder bei einer Verletzung eigentlich schon genau am richtigen Ort. Umgeben von kompetenten Ersthelfern, mit medizinischem Equipment wie EKG oder Pulsoxymeter voll verkabelt, wird dann das Pflaster auf den Papierschnitt am Finger geklebt.

Doch nur, weil in einer Klinik medizinisches Personal arbeitet, bedeutet dies noch lange nicht, dass es auch immer und überall verfügbar ist. Oder kommt der Arzt aus der Notaufnahme auch in das Sekretariat der Buchhaltung und betreut die Küche als Ersthelfer? Natürlich nicht. Ebenso wenig kann eine Rettungswache immer den dort stationierten Rettungswagen als Rückfallebene beanspruchen. Der ist meist genau dann im Einsatz, wenn er auch „zuhause“ gebraucht wird.

Innerbetriebliche Notfälle in Klinik oder Rettungswache

Auf dieses besondere Arbeitsumfeld geht die sogenannte DGUV-Vorschrift 1 nun explizit ein. Auch wenn das Basisregelwerk der aus der Fusion des Bundesverbandes der Unfallkassen und des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften entstandenen Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sich auf alle Betriebsstätten gleichermaßen bezieht, so wird auf den besonderen Arbeitsplatz in der Rettungswache, der Klinik oder in der Arztpraxis nun erstmal individueller eingegangen. So gelten medizinisch ausgebildete Arbeitnehmer, also vom Sanitätshelfer über den Notfallsanitäter bis hin zum Gesundheits- und Krankenpfleger nun endlich auch automatisch als zugelassene Ersthelfer.

Bislang mussten Arbeitnehmer, die nebenberuflich oder in ihrer Freizeit als Sanitäter arbeiten, an der Qualifizierungsmaßnahme für Ersthelfer im Betrieb teilnehmen, sich also mit Mund-zu-Nase-Beatmung und Dreiecktuchverbänden rumschlagen, obgleich der Beatmungsbeutel und / oder das corpuls-EKG nur eine Armlänge entfernt steht und bei einem Notfall in der Praxis, auf Station oder in der Rettungswache weit professioneller versorgt wird, als es der allgemeine Kurs für betriebliche Ersthelfer vermitteln darf. Das ist nun zum Glück neu geregelt worden.

Gefahr für Profis: Basics nicht vergessen

Aber auch wenn der Weg vom Stationsstützpunkt zum D-Arzt in der Ambulanz nur wenige Schritte lang ist, so müssen vor allem die bürokratischen Vorschriften bei der Dokumentation eines Arbeitsunfalls in der Klinik, Rettungswache oder der Arztpraxis genauso eingehalten werden, wie in jedem anderen Betrieb auch. Ohne Eintragung ins Verbandbuch fehlt der nötige Nachweis für die Berufsgenossenschaft, die dann sogar die Behandlungskosten verweigern kann! Darum, auch wenn es lästig ist: Denken Sie an die Basics. Die Ersthelfer müssen klar benannt und das Material zur Erstversorgung gewartet und immer vollständig für jeden verfügbar sein.

Funfact zum Thema

Es ist vielleicht nur eine Anekdote, aber sie hält sich doch schon seit einigen Jahren in der Rettungsdienstlandschaft: Auf dem europäischen Kardiologenkongress ESC im Jahr 2008 in München soll einer der Redner mit akuten Angina-pectoris-Beschwerden kollabiert sein. Vor den Augen von rund 1000 Kardiologen. Könnte man in diesem Moment besser versorgt sein? Scheinbar ja, denn den Erzählungen nach zufolge, soll er mehr als aktuelles Fallbeispiel diskutiert worden sein – teils sehr kontrovers – und die echte Hilfeleistung erfolgte erst Minuten später, als Messemitarbeiter die Alarmierung des auf der Messe vorgehaltenen Sanitätsdienstes anregten…

Unser Mitgefühl gehört bis heute den Sanitätern und der in dieser Legende der Münchner Medizinwelt behandelnden Notärztin, die mit fachlichen Tipps und mehreren hundert EKG-interpretationswilligen Kardiologen in der Messehalle gefangen war.

Quellen:

Meldung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Download vom 27. Januar 2017: DGUV Vorschrift 1

Linktipp: Die neue DGUV Vorschrift 1 / Vereinfacht und entschlackt (PDF, 108 kB)

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