Indien ist wunderschön, faszinierend und irgendwie unbegreiflich. Unser Wissen über die 1947 aus einer britischen Kolonie hervorgegangene Republik von Indien ist meist von TV-Klischees geprägt: Für typisch indisch halten wir Europäer meist Turbane, Bollywood-Tanz und die würzige Küche mit den leckeren Currys.

Aber genau da fängt es auch schon an: In einem Curry muss kein Curry-Pulver vorkommen. Es handelt sich hierbei lediglich um die Bezeichnung für verschiedenste Gerichte aus der südasiatischen Küche auf der Basis sämiger Soßen mit Gemüse, Fisch oder Fleisch, wie beim Chicken tikka masala. Das als beliebtestes indisches Gericht geltende CTM, wie es oft auf Speisekarten abgekürzt wird, stammt übrigens aus England. Indien-Urlauber werden es genauso vergeblich auf einer Speisekarte suchen, wie das ebenfalls gern bestellte scharfe Beef Vindaloo: Rindfleisch ist bei den meisten Indern tabu, zumindest für die, die zur Konfession des Hinduismus angehören.

Neun Fakten über Indien, die (Notfall-)Mediziner wissen sollten

Für alle, denen der bayerische Wald oder die Wattinseln als Einsatzort noch nicht exotisch genug sind, haben wir ein paar Besonderheiten über Indien zusammengesucht, die nicht nur für indische Einsatzkräfte, Krankenschwestern oder Ärzte interessant sein dürften und Sie vielleicht zum Slumdog Millionär machen könnten:

Werden Sie Lungenfacharzt in Mumbai

Die bis 1996 als Bombay bezeichnete Hafenstadt an der Westküste Indiens ist mit 12 Millionen Einwohnern, und weiteren 6 Millionen Menschen in den Vororten, die größte Stadt Indiens und eines der bevölkerungsdichtesten Ballungszentren der Welt. Verkehr und Industrie setzen der Luft in Mumbai so zu, dass das Einatmen der Luft in der Stadt für einen Tag derselben Belastung wie dem Rauchen von 100 Zigaretten entspricht.

(Foto: Flickr/tawheedmanzoor – CC BY)

Bei Handdiagnostik auf die Linke setzen

Die Handdiagnostik (Chirologie) ist ein anerkanntes Verfahren in der Naturheilkunde. Darin werden Handinnenform und -linien bestimmte Aussagekräfte zum Charakter, der Psyche und der Konstitution zugeschrieben. Wer in Indien Hände untersucht, muss aber etwas ganz Anderes im Hinterkopf behalten: Die linke Hand gilt in Indien als unrein, da sie meist als Ersatz für Toilettenpapier verwendet wird.

Für Familienanamnese viel Zeit mitbringen

Fragen wir in unseren Breitengraden nach familiären Vorerkrankungen, holen die Patienten oft bis zur Großelterngeneration aus. Meist können aber von den in der Regel dann fünf bis acht angeführten Verwandten keine überraschenden Diagnosen abgeleitet werden. In Indien kann die Frage nach chronischen Leiden der nächsten Angehörigen etwas umfangreicher ausfallen. So lebt die größte Familie der Welt in Indien: Ein Mann hat mit 39 Frauen insgesamt 94 Kinder gezeugt.

Nur ein satter Sanitäter ist ein guter Sanitäter

Wir alle wissen: Wir sind nicht wir selbst, wenn wir hungrig sind. Doch im Rettungsdienst ist die Versorgung mit Essen nicht immer leicht. Weltweit sichert die unter dem Codenamen „Schachtelwirt“ bekannte Fastfood-Kette mit dem goldenen M die Blutzuckerwerte von Sanitäterinnen und Sanitätern. Wer in der indischen Stadt Amritsar den Heißhunger aber mit Chicken Nuggets oder einem Cheeseburger stillen möchte, hat Pech: Hier gibt es seit 2012 die erste und bislang einzige vegetarische McDonalds-Filiale der Welt.
Dabei gilt allerdings auch zu bedenken: Mit einem durchschnittlichen Einkommen müsste man etwa sechs Stunden arbeiten, um sich einen Big Mac leisten zu können.

Mehr Amtsautorität dank Schnurrbart

Was verleiht dem Polizisten Nachdruck bei einer dienstlichen Maßnahme? Was verschafft ihm Respekt? Souveränes Auftreten, eine ruhige, besonnene Art in Kombination mit Durchsetzungsvermögen, Redegewandtheit etc. All das wird jungen Polizisten in ihrer Ausbildung vermittelt. Aber wenn das noch nicht reicht? Dafür wurde im Bundesstaat Madhya Pradesh zum Glück das Universalmittel für Amtsautorität entdeckt: Ein Schnurrbart! Dort erhalten Polizisten sogar einen Bonus zum Gehalt, wenn Sie sich einen Oberlippenbart wachsen lassen.

Sprechen Sie Anal?

Sollten Sie diese Frage in Indien gestellt bekommen, dann möchte Ihr gegenüber nicht analysieren, ob Sie sich mit Ihrer Wortwahl noch in der analen Phase befinden. Anal ist eine Sprache, die von 23.000 Menschen in Indien und Myanmar gesprochen wird.

Sie sprechen Indisch!

Glauben Sie nicht? Dabei benutzen Sie das, worum es hier geht, vielleicht sogar täglich. Wer nach einer schweißtreibenden Schicht unter die Dusche springt und seine Haare wäscht, verwendet ein Shampoo. Dieses Wort stammt von einem Hindi-Wort ab: Champu (Sanskrit: तीक्ष्णाग्र). Es bedeutet Massage und steht für das Einschäumen von Haaren und Kopfhaut.

Bremse nicht vergessen

Wer beim Umlagern eines Patienten auf die Trage die Feststellbremse nicht arretiert, macht sich das Leben selbst unnötig schwer. Gleiches gilt für einen geparkten Rettungswagen, der nur durch den eingelegten Gang gebremst wird. Beim Einschieben der Trage wippt er vor und zurück und schaukelt den Patienten unnötig durch. In der Region von Ladakh im Norden Indiens machen den Einsatzkräften noch ganz andere Probleme zu schaffen: Hier gibt es einen Hügel, auf dem so starker Magnetismus herrscht, dass sich parkende Autos bewegen und die Flugbahn von Flugzeugen oder Hubschraubern beeinflusst wird.

Die Kuh ist gelandet

Kühe sind den Indern heilig. Der Rettungswagen muss Kühen ausweichen und ein Rettungshubschrauber sich eben einen anderen Landplatz suchen, wenn die Kuh es sich schon auf dem Lande-H gemütlich gemacht hat. Ob das in Indien als Missachtung des Wegerechts oder als Behinderung von Einsatzkräften beanstandet werden kann? Zumindest wäre es im Bundesstaat Westbengalen möglich, die Personalien der falsch parkenden Kuh zu ermitteln. Dort müssen Kühe einen Ausweis mit Foto besitzen und immer mit sich führen.

Wir hoffen, dass sich die Piloten und Sanitäter der Aviators Air Rescue in Bangalore nicht mit solchen Problemen im Einsatz herumschlagen müssen. Sie stellen dort seit Kurzem den ersten Rettungshubschrauber in der Millionenmetropole im Zentrum Indiens. Mit an Bord ist auch ein corpuls3. Wir wünschen guten Flug!

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