Unser Kollege Claus Schramm hat sich vor nicht mal vier Wochen bei der App „Region der Lebensretter“ registriert. Jetzt wurde der ehrenamtliche Notfallsanitäter zu seinem ersten Einsatz gerufen. Keine 500 Meter von seinem Wohnhaus entfernt hatte eine Frau einen Herzstillstand erlitten. Claus war innerhalb kürzester Zeit zur Stelle. Er hat die Frau reanimiert und ihr das Leben gerettet. Also nicht mal einen Monat nachdem er sich bei der App registriert hatte…
Dieser Fall zeigt uns einmal mehr, wie nah Alltag und Ausnahmezustand beieinanderliegen – sowohl für die Patient:innen als auch für die Einsatzkräfte. Vor allem aber zeigt er, was dieser kleine Schritt, sich bei der App zu registrieren, bewirken kann… Claus ist zwar neu in der App, aber schon sehr lange ehrenamtlich tätig. Denn hinter dem Registrierungs-Klick steckt ein beinahe lebenslanges ehrenamtliches Engagement: Von Kindesbeinen an ist der 40-Jährige schon für die DLRG Pöcking/Starnberg im Einsatz, hier ist er auch Organisatorischer Leiter im Katastrophenschutz. Fast genauso lange ist er für das Bayerische Rote Kreuz im Landkreis Starnberg ehrenamtlich unterwegs. Außerdem ist er zertifizierter ACLS Instructor AHA (Advanced Cardiovascular Life Support / American Heart Association) und darf medizinisches Personal in fortgeschrittenen Reanimationsmaßnahmen schulen und prüfen.
Unabhängig davon hat sich Claus, der seit 2019 bei corpuls und mittlerweile Director Global Education Excellence ist, vor Kurzem bei der Lebensretter-App registriert. Denn im März hat auch die Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck (und damit die Landkreise Landsberg am Lech, Fürstenfeldbruck, Dachau und Starnberg) die App „Region der Lebensretter“ eingeführt. Wie die App funktioniert und vor allem wie Claus zum Lebensretter wurde, erfahrt ihr in dieser corpuls Rescue Story mit dem Titel "Lebensretter in Rekordzeit".
Hallo Claus, bitte erzähle uns von deinem Einsatz.
Wie wurdest du alarmiert?
Ich wurde direkt über die App, bei der ich mich registriert hatte, alarmiert. Als ich gelesen habe, dass es um einen Einsatz quasi bei mir ums Eck geht, also etwa 500 bis 600 Meter weiter, bin ich sofort los. Ich war drei Minuten später bei der Frau. Sie war direkt vor den Augen ihres Mannes zusammengesackt. Als ich ankam, habe ich sofort mit der Reanimation begonnen.
… und sie erfolgreich reanimiert.
Ja, nach etwa drei Minuten setzte der Herzschlag der Frau wieder ein und sie begann, selbständig zu atmen. Dann kamen auch weitere Ersthelfer, die über die App alarmiert worden waren und ein paar Minuten später traf auch der Rettungsdienst ein, mit dem ich die Frau weiter versorgt habe.
Dann wurde die Frau ins Krankenhaus gebracht, oder?
Genau. Als sie in den Rettungswagen eingeladen wurde, hat die Patientin schon wieder geblinzelt. Und später habe ich erfahren, dass sie bei der Übergabe zum Schockraum in der Klinik schon angemerkt hat, dass es ihr doch eigentlich wieder gut gehe und sie nach Hause könne…
Ein schier unglaublicher Glücksfall…
Wie denkst du jetzt darüber – wenige Tage nach dem Einsatz?
Ich war zuvor schon von der Idee hinter dieser App begeistert und als dann mein Landkreis (Starnberg) dabei war, habe ich mich auch gleich registriert. Aber dass ich hier so schnell wirklich helfen und sogar ein Leben retten kann, hätte ich natürlich auch nicht gedacht. Jetzt bin ich noch mehr von diesem System überzeugt, weil hier einfach alles professionell und einfach ineinandergreift.
Wie läuft das denn eigentlich mit der App, nachdem jemand die 112 gewählt hat?
Die Integrierte Leitstelle alarmiert in der jeweiligen Region registrierte Ersthelfer zeitgleich mit dem Rettungsdienst – wenn ein Herzkreislauf-Stillstand gemeldet bzw. vermutet wird. Damit bekommen die Ersthelfer, die am schnellsten am jeweiligen Einsatzort sein können, eine Meldung auf ihr Smartphone – auch die Personen, die sich bei der App registriert haben. Und in dem Fall eben auch ich.
Die App ist bundesweit in immer mehr Regionen am Start – mit welchem Ziel?
Es geht darum, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu verkürzen. Wenn du nach wenigen Minuten vor Ort bist und mit der Reanimation beginnst, kannst ddie Überlebenschance des Menschen verdoppeln bis vervierfachen. Also Menschenleben retten, die ein paar Minuten später vielleicht nicht mehr zu retten wären.
Weißt du, wie es der Frau geht?
Mich hat am nächsten Tag schon der behandelnde Arzt angerufen – ich kenne ihn über meine Rettungsdienst-Tätigkeit. Er hat mir dann berichtet: Das Einzige, über das die Patientin klagt, sind Schmerzen im Brustkorb durch die Reanimation.
Du hast das letzte Wort – möchtest du den Leuten etwas mitgeben?
Ja, unbedingt! Leute, bitte registriert euch, wenn ihr notfallmedizinische Grundkenntnisse habt. Ihr könnt mit wenig viel ausrichten und mit einer Herzdruckmassage Leben retten. Weil jede Minute zählt. Und damit auch jede Registrierung!
Anmerkung der Redaktion: Registrieren können sich Personen, die über BLS/ALS-Kenntnisse (Basic Life Support/Advanced Life Support) verfügen und eine Reanimation durchführen können.